Montag, 3. August 2015

Abschlussbericht

Marinepool J/22 Weltmeisterschaften 2015

Die J/22 erobert Travemünde – Chris Doyle wird J/22 Weltmeister 2015!

Chris Doyle (USA 1384) gewinnt die Marinepool J/22 Weltmeisterschaften 2015! Auf der letzten Bahn sicherte sich Reiner Brockerhoff (FRA 1444) den dritten Platz vor Martin Menzner (GER 1327) und hätte sogar fast noch den Zweitplatzierten Jean-Michael Lautier (NED 1273) vom zweiten Platz verdrängt.


Travemünde, 19.-25. Juli 2015 – 45 Teams aus 6 Nationen (Caymans, USA, Kanada, Frankreich, Niederlande und Deutschland) fanden sich zu den Weltmeisterschaften der J/22 ein, die im Rahmen der Travemünder Woche ausgerichtet wurden. Die gerade in Deutschland stark wachsende und beliebte Kielbootklasse von J-Boats war in Europa zuletzt bei der WM 2006 in Frankreich so zahlreich vertreten.
Hoch favorisiert war von Anfang an das Amerikanische Team um Chris Doyle, der nach über 20 Jahren in der J/22-Klasse nun endlich seinen ersten WM-Titel einfahren wollte. 
Der Franzose Jean-Michel Lautier, der für einen Niederländischen Club segelt, ist in der Regel nur selten unterhalb der Top 5 zu finden. 
Der Duisburger Reiner Brockerhoff, der zusammen mit seiner französischen Crew Christophe Declercq und Charles Michaux unter Französischer Fahne segelt, hat in den letzten 4 Jahren erfolgreich ganz weit oben in der J/22-Szene mitgemischt und hat diverse nationale Meisterpokale im Wohnzimmer stehen.
Mike Farrington von den Caymans, war Dritter bei der J/22 WM 2014 in Südafrika und ist extra für die WM von der Karibik an die Ostsee gereist. Der Titel des Teams mit der weitesten Anreise war ihm jedenfalls schon mal sicher.
Aus den Deutschen Reihen galt der Kieler Martin Menzner als ebenbürtiger Kandidat für den WM-Titel, der lediglich einmal im Jahr die J/22 zur Travemünder-Woche ins Wasser lässt und ansonsten auf der J/80 zu Hause ist.

Schon das Practice Race am Montag bestätigte, dass viele hochkarätige Segler am Start sind, die nicht nur spielen wollen. 
Der erste Start wurde wie gewohnt nach einem Massenfrühstart abgeschossen. Die Black Flag sorgte dann aber für Disziplin an der Startlinie und alle Js machten sich hochmotiviert auf zur ersten Luvmarke. 
Wind und Welle nahmen in der zweiten Wettfahrt deutlich zu. Auf den Spikursen pflügten die Boote bei bis zu 30kt nur so über die Welle, hier und da gab es Sonnenschüsse, Spinnakerbäume gingen zu Bruch, Spis platzten, Nervenkitzel pur, doch für das Material eine Belastungsprobe. Daher wurde die 3. Wettfahrt während der Startphase abgebrochen und die Flotte in den Hafen geschickt.
Martin Menzner bestätigte seine Favoritenrolle und war mit einem 1. und 2. Platz Tagesgesamtsieger vor Chris Doyle und Jean-Michel Lautier.
Fazit des Tages: 4 gebrochene Spinnakerbäume und 2 geplatzte Spis, dafür viele glückliche Gesichter.
Für ein wenig Unmut sorgte eine Jury-Entscheidung am Abend, wobei 30 Teams 4 Strafpunkte kassierten, als sie auf der Rückfahrt zum Hafen eine andere Regattabahn kreuzten. Besonders ärgerlich war, dass einige Teams nicht für die Durchfahrt bestraft wurden.

Der Wind der am Dienstag zu viel war, fehlte am Morgen des 2. Wettfahrttages. Erst nach einer zweistündigen Startverschiebung, wurde die Flotte auf die Bahn geschickt.
Die vier Rennen, bei schwierigen Windverhältnissen, waren durchaus spannend und die Wahl der richtigen Seite auf der Kreuz war von entscheidender Bedeutung. Nicht selten sah einer der Favoriten an der Luv-Marke, das komplette Feld an sich vorbeiziehen.
Nach nun insgesamt 6 Wettfahrten übernahm Doyle die Führung im Gesamtklassement vor Lautier und Menzner.
Auch der 3. Tag begann mit einer Startverschiebung. Erst nach zwei Stunden verließen die Js mit 3bft im Rücken den Hafen. Lautier sorgte mit zwei guten Rennen erneut für einen Führungswechsel. Auch bei den Teams um Mike Farrington und Reiner Brockerhoff schien der Knoten geplatzt zu sein. Nach leichten Problemen am Anfang wanderten beide Teams langsam aber sicher das Treppchen immer höher.


Der Sieg des Trave-Race am Nachmittag ging an Reiner Brockerhoff, doch der eigentliche Gewinner, zumindest der der Herzen, war der 81-jährige Ernst Tschentscher, der als ältester Teilnehmer der Travemünder Woche zusammen mit 11 weiteren Teams für das Show-Rennen auf der Trave nominiert war. Er qualifizierte sich nach einem packenden Halbfinale überraschend fürs Finale und wurde am Ende unter jubelndem Beifall der Zuschauer Zweiter.



Auch am Freitag konnte Lautier nach 4 Wettfahrten seine Führung mit drei Punkten Puffer auf Chris Doyle verteidigen. Martin Menzner und Reiner Brockerhoff standen punktgleich mit einem Bein auf dem Bronze-Platz. Nun sollte der letzte Tag auf der SAP Medienbahn alles entscheiden.
Höchst umstritten war die Entscheidung der Wettfahrtleitung, die den ersten Start trotz Black-Flag nach einem Massenfrühstart abschoss, wobei aber lediglich zwei Teams im folgenden Rennen disqualifiziert waren. 
In der nächsten Wennfahrt erlaubten sich Doyle und Lautier mit einem 11. bzw. 31. Platz Ihre Streicher und Menzner überholte mit einem Sieg Brockerhoff in der Gesamtwertung. Demnach hätten die drei Führenden nur noch Ihre Plätze sichern müssen, doch in der 14. und letzten Wettfahrt, wurden die Ruder nochmal umgerissen. In der Startphase hat Doyle in alter Match-Race-Manier seinen Kontrahenten an einen guten Start gehindert, damit Lautier im Mittelfeld versackt. Doyle kämpfte sich wieder auf den 10. Platz vor und sicherte sich seinen ersten WM-Titel.
Brockerhoff hingegen entschied sich für die stärkere linke Seite und erreichte als 2. die erste Luv-Tonne und kämpfte sich bis zum Finish auf den 1. Platz vor, Menzner wurde nur 11. und verlor seinen Platz auf dem Treppchen.

Nach der letzten Wettfahrt hieß es, schnell die Boote aus dem Wasser zu holen, denn für den Nachmittag kündigte sich Sturmtief Zeljko mit Böen bis zu 10 Windstärken an und ab 6 bft stellt der Kran am Priwall seinen Betrieb ein. Zu Recht, denn als die ersten starken Böen einsetzten, war das im Kran hängende Boot von den Helfern nur sehr schwer unter Kontrolle zu bringen.

Die auf 17 Uhr angesetzte Siegerehrung wurde auf 19 Uhr verschoben, denn das Auskranen aller Js hatte Vorrang, denn der Großteil der Teilnehmer, musste am Samstag abreisen.
Um 19 Uhr gab es dann die große Siegerehrung. Dem gesamten Orga-Team der Travemünder-Woche und der J/22 Klassenvereinigung wurde gedankt und es kam zur obligatorischen Sektdusche auf dem Treppchen. Im Anschluss der Siegerehrung gab es noch eine große Tombola, wo alle Teilnehmer, die bis zum Schluss geblieben sind, mit vielen tollen Preisen von Marinepool, NautiCare und Tacking Master belohnt wurden.

Man munkelt, dass das Team um Chris Doyle in der Nacht noch versucht habe, den Pokal für die besten Tänzer der WM zu gewinnen...

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